OFFENBAR HORMONTHEMA: Männer haben schwerere Parodontitis

Die DMS IV bestätigte es für Deutschland, Parodontologen der University of Maryland/Dental School zeigten es als weltweites Problem: Männer haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwerere Parodontits im Vergleich zu Frauen.
Die Forschergruppe um Professor Mark Reynolds hatte biologische Gründe für diesen oft beobachteten Geschlechterdimorphismus gesucht und hielt abschließend (veröffentlicht im Journal of Periodontology) fest: Offenbar geht der Effekt zurück auf die Rolle, die männliche Sexualhormone auf das Immunsystem und seine Regulierung von Entzündungen ausüben. Nicht ausgeschlossen wird, dass es genetische Faktoren gibt, die ihrerseits Einfluss auf die Hormone haben. Kurz: Offenbar hängt Verlauf und Ausheilungsgeschehen einer Parodontitis entscheidend mit der angeborenen Immunreaktion zusammen. Und diese unterscheidet sich bei Männern und Frauen aufgrund der unterschiedlichen Konzentration der verschiedenen Sexualhormone durchaus deutlich. Frauen haben, zeigen entsprechende Untersuchungen, signifikant mehr Immunglobuline und eine höhere Abwehrkraft gegenüber Keimen aller Art.

Was die Wissenschaftler in den USA antrieb, war dieselbe Frage, die auch die Arbeitsgruppe und jetzige Fachgesellschaft zu geschlechterspezifischer Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde GDI / Gender Dentistry International beschäftigte: Immer wieder beobachtet werden deutlich schwerere und schlechter zu bekämpfende Parodontitiden bei Männern – aber die traditionellen Erklärungsmuster (mangelnde Mundhygiene beispielsweise, schlechtere Compliance, Umweltfaktoren) waren nicht wirklich überzeugend. „Wir haben schon früh die Studienlage geprüft, ob nicht eventuell hormonelle Faktoren eine Rolle spielen könnten“, sagt PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, Präsidentin des GDI."Und in der Tat gab es bereits zahlreiche Hinweise, die auf das Immunsystem und hier auf hormonelle Faktoren hinwiesen – die Maryland-Studie erhärtet die Vermutungen nun deutlich und zeigt, wie wichtig es aus Präventions- und Therapiegesichtspunkten ist, geschlechterspezifisch an mundgesundheitliche Fragestellungen heranzugehen."

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