DER PARODONTITIS-RISIKO-SCORE: Erstmals mit Faktor Geschlechterunterschied

Einführung von GDI-Präsidentin PD Dr. Dr. Christiane Gleissner: 

Das Team um Birte Holzfreter und Thomas Kocher aus Greifswald hat einen Parodontitis-Selbsttest für Patienten entwickelt, und zwar auf Basis der Daten aus der Study of Health in Pomerania (SHIP). In diesem Test werden verschiedene Risikofaktoren abgefragt und gewichtet, so dass Patienten ihr Risiko einer Parodontitis selbst berechnen können. Der Parodontitis-Selbsttest soll auch in medizinischen Praxen eingesetzt werden, z.B. bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, bei denen ein Zusammenhang mit der Mundgesundheit bekannt ist. Da eine Parodontitis oft lange unbemerkt bleibt und sich klinische, für den Patienten erkennbare Symptome erst in einem späten Krankheitsstadium zeigen, erhofft man sich über den Test eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung.


Die Autoren haben in diesen Risiko-Score erstmals den Faktor Geschlecht einbezogen. Das ist ein Novum in der Parodontitis-Risikobewertung, das besonders gewürdigt werden darf und muss. Die Autoren tragen damit der Erkenntnis Rechnung - die neben den Daten der SHIP auch durch die Daten der DMS V belegt wird - dass Männer ein deutlich höheres Parodontitisrisiko besitzen als Frauen, und zwar in allen Altersgruppen. Als Präsidentin von Gender Dentistry International begrüße ich diese Entwicklung außerordentlich. Mit dem Parodontitis-Selbsttest wird auch das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede auf Seiten der PatientInnen und ZahnärztInnen in den Praxisalltag getragen. Dem Test ist eine weite Verbreitung und Anwendung zu wünschen, zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten.

Den Artikel "Via Selbsttest zum Screening" aus der "zm" (Ausgabe 05/2018) finden Sie HIER.

Bildquelle: proDente